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Galerie Dreiklang

Tags: ANDERES
 
4.04.2008, 20:28
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Photo: www.galerie-dreiklang.deAm 25. März wurde im Haus der Auslandsrussen (Russkoe Sarubesche) in Moskau die Ausstellung des deutschrussischen Künstlerehepaars Geling-Bouchon „Feenwelt“ eröffnet. Unser Korrespondent Tillmann Severin war bei der Vernissage zugegen und erzählt uns von der Arbeit dieses Ehepaars.

Die Malerin Nina Geling und der Bildhauer Ekkahart Bouchon ergänzen sich seit 1991 in ihrem Kunstschaffen, das ganz im Zeichen des Dialoges steht. Und so wird auch diese Ausstellung in Moskau zunächst auf Deutsch und dann übersetzt eröffnet: 
„Liebe Freunde, liebe Gäste, wir begrüßen sie auf das herzlichste und freuen uns, dass sie zur Eröffnung unserer Ausstellung „Feenwelt“ zu uns gekommen sind! – Dorogie Drusja my otschen rad videt vas!“

Sie stellen ihre Kunst stets gemeinsam aus und arbeiten gemeinsam an ihrer Idee der „variablen Kunst“, die ihr Schaffen über die Malerei und die Bildhauerei hinweg verbindet. Doch Verbindungen schaffen sie nicht nur über ihre künstlerische Arbeit, sondern auch über ihre Galerie „Dreiklang“, die sie 2003 in der deutschen Stadt Hann. Münden eröffneten. „Dreiklang“ — das ist ein harmonischer Klang aus drei verschiedenen Tönen, der eine Metapher für das gemeinsame Schaffen nicht nur der beiden, sondern auch des Betrachters ist, der im Konzept der „Variablen Kunst“ eine zentrale Position als Schaffender einnimmt wie Ekkahart Geling mir erzählt: 
“Es ist ein Kunstwerk, dass durch seine Drehung und durch seine immer neue Position immer wieder ein neues Kunstwerk wird und wir Künstler, Nina mit ihren Bildern, die man drehen kann und immer wieder einen neuen Eindruck bekommt und ich mit meinen Skulpturen; wir wollen den Betrachter einbeziehen in die Kunst. Er soll aktiv künstlerisch tätig werden. Er soll entweder die Skulptur drehen und wenden oder er soll in der Skulptur etwas ergänzen mit Steinen mit anderen Holzfiguren, sodass es jedes Mal ein völlig neues Kunstwerk wird. Und dieses neue Kunstwerk ist das Kunstwerk des Betrachters und das ist die Variabilität. Der Betrachter wird Schöpfer.“ 

In der Praxis soll, ganz anders als in konventionellen Ausstellungen, ganz ausdrücklich mit den Werken gespielt werden. In der Galerie „Dreiklang“ weist ein Schild mit der Aufschrift „Bitte Berühren“ darauf hin, dass die Kunst nicht nur zum Anschauen ist, sondern Projektionsfläche für die eigene Kreativität des Betrachters. Doch dieser unkonventionelle Zugang zur Kunst wird gerade von Erwachsenen häufig nur schwer wahrgenommen. Es sind gerade Kinder, sagt Ekkahart Bouchon die sich am leichtesten mit diesem haptischen Zugang zur Kunst anfreunden können. Und wenn dabei etwas kaputt geht, so nennen Nina Geling und Ekkahart Bouchon das „Atelierspur“ — denn wo frei gestaltet werden darf kann selbst etwas, was man landläufig als kaputt bezeichnet noch einen besonderen ästhetischen Wert entfalten.
Doch im Umgang mit dieser Form der Kunsterfahrung ließen sich bei den zahlreichen Ausstellungen, die die beiden hinter sich haben auch nationale Unterschiede zwischen Russland und Deutschland beobachten:
„In Deutschland erleben wir häufig, dass die Leute die Hände in die Taschen stecken, hinten auf den Rücken halten und nur Kinder und Jugendliche, die machen das. Hier in Russland ist das völlig anders!“

Die Galerie „Dreiklang“ hat sich zum Ziel gesetzt über die Kunst eine Brücke zwischen Deutschland, seinen Nachbarländern und vor allem Russland zu schaffen. In der Galerie werden Werke von deutschen und russischen Künstlern ausgestellt und jede Ausstellung wird mit einem Konzert eröffnet, das ebenfalls von internationalen Musikern dargeboten wird. In der Galerie laufen also nicht nur verschiedene Nationalitäten, sondern auch verschiedenste künstlerische Ausdrucksformen, wie eben Malerei, Bildhauerei, Musik und Pantomime zusammen. Der Dialog, der durch die Kunst entsteht und für den die Galerie in Hann. Münden ein Zentrum darstellt ist kein einseitiger. Die beiden Künstler versuchen ebenfalls deutsche Künstler dazu zu bewegen ihre Arbeit im russischen Ausland zu präsentieren.
Die Ausstellung „Feenwelt“ präsentiert sich in dem Ausstellungsraum des Hauses der Auslandsrussen in einer sehr persönlichen, intimen Atmosphäre. Die Bilder, die mit Gouache auf Papier gemalt sind hängen dicht neben den Plätzen der Skulpturen, die aus verschiedenen Hölzern, die nur geölt werden und Steinen bestehen. So werden die hölzernen Formen, die deutlich ihr Material zeigen den gemalten Formen auf den Bildern näher gebracht und durch Umstellen und Variieren der Plätze kann jeder seine eigenen Eindrücke der Ausstellung gewinnen und die Veränderungen der Anderen Besucher wahrnehmen und weitervariieren.
Was auf kleiner Ebene in der Galerie „Dreiklang“ und bei den anderen Ausstellungen des Ehepaares stattfindet ist ein wichtiger Schritt für gute Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, meint Ekkahart Bouchon und verweist dabei auf die enge Beziehung, die das Künsterduo auch zur Politik unterhält. Der Bürgermeister von Hann. Münden, der beobachtet hat, was die Galerie „Dreiklang“ für einen positiven Einfluss auf das Klima zwischen Deutschen und Russen in der Stadt nimmt, beteiligt sich nun ebenfalls an den Veranstaltungen: Kraft seiner politischen Autorität sorgt er für die Einladungen, die die russischen Künstler brauchen um ein Visum für Deutschland zu bekommen; was sonst manchmal gar nicht so einfach ist. Auf meine Frage, wie die russischen Behörden auf die deutschen Künstler reagieren bekommen ich ebenfalls nur positives zu hören: 
„Stellen sie sich bitte vor, dass Nina und ich in der Ausbildungsstätte des Innenministeriums sogar eine Ausstellung gemacht haben. Wir waren wirklich überrascht, als wir dort, die dortigen Kader erlebt haben, die derartig kunstinteressiert waren — das habe ich nie für möglich gehalten. Ich glaube nicht, dass uns das in Deutschland widerfahren wäre.“ 

Kunst nimmt laut Bouchon also eine Vorreiterrolle im Dialog zwischen Russland und Deutschland ein und er meint, er könne nach seinen Erfahrungen selbst nicht verstehen, weshalb es so große Differenzen zwischen den beiden Ländern gibt. Denn kulturell, so sagt er hängen beide Länder so eng zusammen, dass es traurig wäre, würde man eine künstliche Trennung hervorrufen. Er selbst ist jedenfalls zuversichtlich, dass sich die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sehr positiv gestalten werden. Seine Galerie kann als Musterbeispiel dafür gelten. Die Besucher und Künstler begegnen sich dort von Mensch zu Mensch; ohne politische Vorbehalte und dieses Rezept hat Erfolg, denn die Galerie ist bei jeder Veranstaltung so voll, dass der Platz kaum ausreicht um alle Besucher unterzubringen. Nina Geling und Ekkahart Bouchon sind zuversichtlich, dass sich zwischen den Nationen das Klima verbessern wird und arbeiten mit großem Optimismus weiter daran einen kulturellen Dialog herzustellen.
„Das ist es was die Welt verändern wird!“

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