1 Februar 2013, 16:52

Zwei Gesichter von Friedrich Paulus

Zwei Gesichter von Friedrich Paulus

Die ganze Welt erinnert sich in diesen Tagen an die Ereignisse im Januar und Februar 1943. Jene Tage wurden zum Wendepunkt im 2. Weltkrieg. Stalingrad war der Höhepunkt dieser Wende. Hitler erklärte Stalingrad zur „Festung“ und forderte, dass die 6. Armee von Friedrich Paulus sie bis zum „siegreichen“ Ende hält.

Aber die Geschichte wollte es anders. Soldaten der Roten Armee kreisten in der Nacht zum 31. Januar den Stadtteil, wo sich Paulus' Stab befand, ein. Um 7 Uhr kroch aus dem Keller des Kaufhauses, in dem sich der Stab befand, ein Deutscher mit weißer Fahne heraus.

Die deutsche Propaganda behauptete, dass der legendäre Paulus sich in Stalingrad, das von den Sowjettruppen belagert war, erschoss, aber dem Fahneneid treu blieb. In Berlin wurde sogar eine symbolische Beisetzung organisiert. Der Führer legte persönlich auf den leeren Sarg Blumen nieder…

Aber in Wirklichkeit war alles ganz anders. In der ganzen Welt zeigte man Filmaufnahmen der Militärchronik: Aus dem Keller des Zentralen Kaufhauses kommt der Befehlshaber der 6. Armee mit erhobenen Händen heraus. „Es ist interessant, dass der Adjutant Paulus bat, durch den Diensteingang des Kaufhauses hinauszuführen, weil er Angst hatte, dass jemand unter deutschen Soldaten den Verrat nicht aushalten und dem Feldmarschall in den Rücken schießen wird“, sagte der Historiker Dmitrij Surschik.

„Für ihn war es immer schwer eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen. Sogar als er sich ergab, erklärte er, dass er schon in der Gefangenschaft ist und seiner Armee keinen Befehl erteilen kann.“

Paulus war der erste Feldmarschall in der deutschen Kriegsgeschichte, der sich gefangen gab. Aber er war bei weitem nicht der erste hochrangige deutsche Kriegsgefangene, der dem Bund deutscher Offiziere beitrat. Er trat dieser Organisation erst im August 1944 bei, als er von der Hinrichtung seines Freundes Feldmarschall von Witzleben erfuhr, der der Verschwörung gegen Hitler beschuldigt wurde.

„Zugleich wurde gerade Paulus zur Schlüsselfigur in der Organisation der deutschen Antifaschisten“, sagte der russische Historiker und Journalist Konstantin Salesskij in seinem Interview für die STIMME RUSSLANDS.

„Endlich ging General-Feldmars chall Paulus auf die Seite des antifaschistisch en Komitees über. Das war ein sehnlichster Traum unserer Verwaltung für Kriegsgefangene, die eine große Operation zu seiner Werbung durchführte, obwohl dieses Wort in diesem Fall nicht ganz passt, - eher zur Heranziehung von Paulus auf unsere Seite.“

Der Historiker sagte, dass Friedrich Paulus schnell beinahe zu einem überzeugten Kommunisten wurde. Am 8. August 1944 wurde im Lager sogar eine einzigartige Audioaufnahme von Paulus gemacht. In dieser Rede rief er das deutsche Volk auf die Waffen niederzulegen. Auch Radio Moskau brachte diese Aufnahme in deutscher Sprache. Paulus trat während des Nürnberger Prozesses als Zeuge auf der Seite der sowjetischen Anklage auf. Aber der ehemalige Feldmarschall konnte erst 1953, nach dem Tod des sowjetischen Führers, in seine Heimat fahren. Konstantin Salesskij berichtet über die Besonderheiten seines Lebens in Ost-Deutschland.

„Ihm wurde eine Villa bei Dresden zur Verfügung gestellt, wo das ganze Personal, alle Mitarbeiter bis hin zu Reinigungsfrauen Mitarbeiter der Geheimdienste waren. Er hatte ein Auto, aber er konnte damit nur dorthin fahren, wohin ihn der Fahrer fuhr. Das heißt, dass der Mensch von dem äußeren Leben völlig blockiert war.“

Somit war sein Kommunikationskreis stark begrenzt. Man behauptet, dass während seiner sowjetischen Gefangenschaft zu ihm seine Ehefrau zu Besuch kam. Aber es gibt keine genaue Bestätigung, dass das geschah. Es ist bekannt, dass sie 1949 in Baden-Baden starb. Paulus nahm sich den Tod der Ehefrau schwer zu Herzen. Er sah auch seine Kinder, die ihn verurteilten, nicht mehr. Der General-Feldmarschall starb 1957.

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